Dieser Tempel ist ein Raum der Begegnung – mit sich selbst, mit großen Fragen und mit dem, was sich nicht greifen lässt. Hier versammeln sich drei Wege, die ineinandergreifen: Annahme, Übung und Alltag. Sie sind keine getrennten Bereiche, sondern fließen ineinander wie das Aus- und Einatmen – das Aufnehmen, das Praktizieren, das Verkörpern.
Den Weg, den ich hier beschreibe, beginnt mit meiner Perspektive, mit der Annahme – nicht als feste Überzeugung, sondern als Einladung: zum Denken, zum Erleben und zum Loslassen. Diese Annahmen sind keine unumstößlichen Wahrheiten, sondern Werkzeuge, die mir helfen, mich selbst und die Welt klarer zu sehen.
Perspektive: Annahme ergründen

Hier nehme ich mich der Fragen der Menschheit an – nicht als Wahrheiten, sondern als Angebote. Was sagen philosophische Denkschulen und religiöse Traditionen über Sinn, Leid oder Verbundenheit? Ich lese, ich höre zu, ich vergleiche – und frage mich: „Was davon berührt mich? Was löst Widerstand aus – und warum?“
Der Schwerpunkt liegt im Ausprobieren von Perspektiven. Es geht nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern darum, welche Annahmen mir helfen, mein Leben bewusster zu gestalten.
Übung: Annahme praktizieren

Jetzt wird es konkret: Ich nehme eine Haltung, eine Praxis oder eine Frage in meine tägliche Übung auf. Probiere aus, was trägt – und was nicht. Vielleicht nehme ich für eine Weile die stoische Idee an, dass ich nur meine Reaktionen kontrollieren kann, oder die buddhistische Aufforderung, Leid mit Mitgefühl zu begegnen. Oder ich kombiniere dieses Ideen.
Doch die eigentliche Annahme hier ist die Ehrlichkeit mit mir selbst: „Wie fühlt sich das an? Passt es zu mir?“
Der Schwerpunkt liegt in der Verantwortung für meine eigenen Antworten. Annahmen werden hier zur bewussten Praxis – und zeigen, ob sie mir gut tun, mich weiterbringen.
Alltag: Annahme leben

Manche Erfahrungen lassen sich nicht in Worte fassen – und genau das nehme ich an: dass es Dimensionen gibt, die jenseits von Logik und Dogmen liegen. Momente der Stille, des Flow oder der Verbundenheit im Alltag lehren mich, nicht alles erklären zu müssen.
Die größte Annahme hier ist vielleicht die, dass ich nicht alles wissen muss.
Der Schwerpunkt liegt im Vertrauen in das Unfassbare. Ich nehme an, dass es mehr gibt, als ich verstehe – und das ist in Ordnung. Im Alltag wird die Annahme zu gelebter Wirklichkeit.

